Frühlingserwachen
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Das Ende

Weil ich den Stress immer weniger wegsteckte, wurden die Abstände zwischen den Besuchen bei meinen Eltern immer größer.
Irgendwann bemerkte ich, dass ich oft 1-2 Wochen lang danach noch schlecht drauf war - und das für 2-3 "gute Tage" für meinen Vater... ein schlechter Deal.

Ab Dezember 2010 gings dann richtig bergab:
Meine Konzentration wurde immer schlechter und mein Appetit war quasi weg. Auch war meine Stimmung immer mehr im Eimer, doch ich gab mir Mühe, mein "Sonnenschein-Gemüt" vor anderen weiterhin aufrecht zu erhalten. Ich spielte die Rolle meines Lebens - das gute Kind, das alles alleine schafft und keinem zur Last fällt. Wow, ging das schief!
Im Jänner hatten wir dann noch 6 Klausuren für die ich so viel gelernt habe wie selten zuvor und doch kaum Erfolg dabei hatte. Was war nur mit mir los? Meinen Geburtstag Ende Jänner hätte ich am liebsten ausfallen lassen. Und dann wollten noch meine Freunde von der Schule, dass ich eine kleine Feier mache, wie üblich halt.

Nur dazu hatte ich echt keine Kraft mehr.

Denn mittlerweile verkehrte ich in "Soft-Ana"-Foren und versuchte so wenig es nur ging zu essen. Meiner Oma sagte ich, ich hätte so viel zu Mittag in der Arbeit gegessen, dass ich Abens keinen Hunger mehr hatte. Und das Frühstück war sowieso nie meine Mahlzeit gewesen, darum viel es nicht sonderlich auf, wenn ich ohne einen Bissen aus dem Haus ging.
Oft schaffte ich es, in 2 Tagen nur einmal etwas zu essen und irgendwann blieb das richtige Hungergefühl einfach aus. Stattdessen breitete sich eine angenehme Taubheit in meinem Körper aus und ich freute mich auf das Schwindelgefühl, wenn ich zu schnell aufstand und mir schwaz vor Augen wurde. Ohnmächtig wurde ich nie und darauf war ich sogar stolz.

5 Fächer hatte ich nach dem ersten Semester negativ abgeschlossen und obwohl ich eines dann bei der Nachklausur bestand ging ich trotzdem zur Studiengangsleitung. Ich wusste nicht mehr weiter, alles wurde mir zu viel, ich war immerzu müde und weinte ständig ohne jeden Grund. Die folgende  Karenzierung war kein Problem und war eine echte Erleichterung.
Ein Jahr lang Zeit, wieder "normal" zu werden. Eine Woche später schleppte mich meine Großtante zu ihrem Psychiater, denn mittlerweile machten sie und ihre Schwester (meine Oma) sich schon richtig Sorgen. Ich hatte abgenommen und war immer blasser geworden.
Der Psychiater diagnostizierte Depressionen, gab mir Antidepressiva und die Adresse eines Therapeuten.

Doch damit war die Sache noch nicht zu Ende. Seit etwa Ende Jänner hatte ich begonnen, mich selber zu kratzen. Immer auf derselben Stelle und immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass mir alles zu viel wurde. Ich krazte solange, bis ich blutete und oft noch weiter. 
Es tat nicht weh, ganz im Gegenteil. Wenn meine Nägel blutig waren breitete sich ein Gefühl der Zufriedenheit in mir aus. Bevor ich zum Psychiater ging kratze ich mich fast täglich wieder auf. Die Stelle ist rechts unter meiner Schulter und ich konnte sie immer gut unter Kleidung verstecken.
Heute habe ich dort eine Narbe, etwa so groß wie der kleine Fingernagel. Ich glaube nicht, dass sie jemals weggehen wird, und irgendwie will ich das auch gar nicht.

Langsam begann ich wieder etwas mehr zu essen, meine Oma kümmerte sich wirklich lieb um mich. Mitte April führ ich dann mal wieder zu meinen Eltern, da ich mit meiner Mutter über die Finanzen reden musste. Meinen Therapeuten muss ich mir nämlich selber zahlen (er ist ein privater, also übernimmt die Krankenkasse nur einen sehr geringen Teil der Kosten) und bis auf 200 Euro Familienbeihilfe bekomme ich nichts von ihr. Ich wollte nicht, dass meine Oma und ihre Schwester für alles aufkommen müssen, wo sie mich eh schon so viel unterstützen.
An dem Sonntag kam mein Vater erst spät von einer Woche Segeln in Kroatien heim. Ich wollte die Zeit nutzen und mit ihr über alles vernünftig reden.
Doch es kam schon nach dem Mittagessen zu einem Streit, der so heftig war, dass ich das erste Mal seit Wochen wieder begann mich zu kratzen. Die restliche Zeit, bis mein Vater daheim war, verbrachte ich bei einer Freundin, die versuchte, mich zu beruhigen.
Als es Abend war und mein Vater wieder daheim, ging auch ich zurück. Doch es kam zu keinem Gespräch. Stattdessen schrie mich mein Vater an, überhäufte mich mit Vorwürfen und ließ mich nicht einmal richtig zu Wort kommen.
Ich packte meine Sachen und lief aus dem Haus. Ich war am Ende und wollte nur weg. Ich hatte keine Ahnung, wie ich wieder nach Linz kommen sollte aber ich musste raus aus diesem Haus.
Also lief ich zum See, legte mich auf eine Bank und weinte. Wie lange weiß ich nicht, aber bestimmt 2 Stunden lang. Irgendwann rief mich meine Freundin an, um sich zu erkundigen, wie das Gespräch mit meinen Eltern war. Ich konnte kaum noch sprechen und wusste weder aus noch ein. Sie versuchte mich wieder zu beruhigen und fragte, wo ich sei, redete ständig auf mich ein. Ich weiß nicht mehr genau, was ich sagte, aber es musste schlimm gewesen sein. Denn auf einmal tauchte ihr Freund auf und brachte mich in ihre Wohnung. Zuerst wollte ich nicht aufstehen, doch er drohte mir an, mich zum Auto zu tragen. Er schob mich dann mehr bis zum Auto, als dass ich selber ging. Als wir vor der Wohnungstür waren rief meine Schwester an, aber der Freund meiner Freundin hatte mir mein Handy abgenommen und meinte, er rufe sie später zurück.
Als ich in der Wohnung war setzte ich mich neben meine Freundin auf die Bank. Ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen und starrte nur auf den Boden. Sie meinte, ich wäre eiskalt, aber ich fühlte nichts und konnte nichts mehr sagen. Auf einmal meinte sie, ich solle doch wieder richtig atmen. Zuerst verstand ich nicht, was sie meinte. Dann bemerkte ich, dass ich hyperventilierte. Ich machte weiter und weiter. Meine Freundin wurde schon ganz panisch vor Angst und legte mich auf die Bank. Meine Arme und Beine waren ganz steif geworden und meine Augen konnte ich auch nicht mehr öffnen. Ich hörte, wie sie zu weinen begann und mich anflehte damit aufzuhören. Meine Hände waren ganz blau geworden und auch als sie mir ein Sackerl vor den Mund hielt, wurde es nicht besser.

Sie riefen die Rettung, ihr Vermiter trug mich nach unten in den Rettungswagen. Da war meine Schwester dann schon da und fuhr mit. Und ich hyperventilierte noch immer. 2x hielt ich solange die Luft an, dass ich sogar schon ganz blau im Gesicht wurde. Es war sooooo einfach, nicht zu atmen, ich wollte endlich ohnmächtig werden und nichts mehr hören oder fühlen müssen. Ich hatte mir wieder eine große Stelle am linken Zeigefinger aufgekrazt doch ich spürte es nicht. Auch halfen das Zwicken der Sanitäterin und meiner Schwester gar nichts.
Meine Schwester versuchte mich zu beruhigen, redete von meinem Neffen und machte es damit nur schlimmer. Langsam wurde das Hyperventilieren krampfhaft und ich fühlte nur noch Leid. Am Weg ins Krankenhaus gab mir der diensthabende Nachtartz Valium - doch das brachte gar nichts. Eigentlich hätte ich nach ein paar Minuten schlafen müssen...
Im Krankenhaus hörte es dann irgendwann auf. In der Notaufnahme versuchte ein Arzt mit Zwicken, auf das Knie hauen, die Fußsohlen kitzeln und mit den Handknöckeln zwischen den Brüsten über die Rippen rubbeln eine Reaktion von mir zu erzielen. Es half nichts. Dieses Rippen-rubbeln tat aber wirklich weh, nur halt nicht so sehr, dass ich desswegen die Augen geöffnet hätte. Er vermutete, dass ich Alkohol oder Drogen genommen hätte, weil ich so neben der Spur stand. Aber es war reine Willenskraft, dass ich keine Reaktion zeigte. Als er das zweite mal dieses Rippen-rubbeln machte, tat er es so fest, dass ich doch die Augen öffnete. Mir tat das Atmen dort dann die nächste Woche noch weh.
Ich konnte noch immer nicht sprechen doch ich schaffte es mit kleinen Kopfbewegungen zumindest etwas Auskunft zu geben. Schließlich brachten sie mich auf die psychiatrische Station, wo ich die Nacht verbrachte.

Da ich aber zu dieser Zeit schon in Linz gemeldet war, war dieses Krankenhaus nicht für mich zuständig und meine Schwester brachte mich am nächsten Tag nach Linz. 
In der Nacht hatte ich mich soweit erholt, dass ich zumindest wieder sprechen konnte, aber was ich jetzt machen sollte wusste ich nicht. Ich wollte mich am liebsten irgendwo verkriechen und alleine sein. Meine Schwester und meine Oma überredeten mich dann, in Linz ins WJ zu gehen. Das ist eine der besten Nervenheilanstalten in Österreich.

Nach meinem Nervenzusammenbruch und der Panikattacke blieb ich 3 Wochen lang dort.
Ich hatte meine Arbeit gekündigt und war 4 Moante lang in Krankenstand. Langsam ging es mir besser, doch meine Eltern "besuchten" mich nur 2x. Ich habe viele liebe Leute in der Zeit kennen gelernt und über vieles nachgedacht.
Während andere in meinem Alter sich Sorgen machen, ob sie denn noch genügend Geld fürs Fortgehen am Wochenende haben, musste ich mir überlegen, wie mein Leben weitergehen sollte.
Das war eine harte Zeit, vorallem als ich dann wieder aus dem Krankenhaus heraussen war.

Doch ich habe Fortschritte gemacht. Ich weiß jetzt, dass ich mein Studium beenden will und bin seit September wieder inoffiziell im erstem Semester. Seit August habe ich auch einen Freund, etwas, das ich eigentlich gar nicht wollte. Schließlich muss ich erst mal mein eigenes Leben wieder auf die Reihe bekommen, bevor ich Zeit für jemand anderen haben kann. Doch er kommt aus den Niederlanden, insofern passt es so ganz gut. Wir werden uns erst wieder Weihnachten sehen aber wir skypen oft und schreiben uns viel.
Er weiß alles und ich bin so glücklich, dass ich ihn habe. Noch nie habe ich mich bei einem Menschen von Anfang an so wohl und geborgen gefühlt. Bei ihm habe ich keine Probleme damit, wenn es um Umarmen geht. Eigentlich habe ich mit allem gefühlsduseligen so meine Schwierigkeiten, lasse mich eigentlich nur passiv umarmen und das auch nur ungern. Ich bin auch eine echte Zynikerin und ich glaube, dass das meine Maske ist, um meine wirklichen Gefühle zu verstecken.
Jetzt geht es darum, wieder zurück auf einen Weg zu finden, der mich weiterbringt, der mir hilft, diese ganzen Erfahrungen zu etwas zu nutzen, das mir eine Zukunft ermöglicht. Es ist nicht leicht und das ist auch der Grund für diesen Blog.
Ich möchte mir alles von der Seele schreiben, meine Ängste und Hoffnungen...

14.10.11 14:24
 
Letzte Einträge: ein paar Jahre später...


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