Frühlingserwachen
  Startseite
    Tagebuch
    Meine Geschichte
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren


http://myblog.de/nenemaus

Gratis bloggen bei
myblog.de





ein paar Jahre später...

wie viel Zeit seit ich den Blog begonnen habe vergangen ist! Ich bin keine Tagebuchschreiberin aber immer wieder mal schreibe ich einfach gerne meine Geschichte nieder. ein kleines Update: Als ich über die Weihnachtsferien zu meinem Freund in die Niederlande fuhr war ich überglücklich. Seine Eltern sind einfach klasse. So warmherzig, freundlich, einladend... ich fühlte mich sofort willkommen und wohl. Auch lernte ich nun endlich seine Schwester etwas kennen und freundete mich mit ihr an. Ich sah einiges in den Niederlanden, machte Ausflüge mit meinem Freund und genoss die gemeinsame Zeit mit ihm. Doch 2 Tage vor meiner Abreise stellte sich in einem Gespräch heraus, dass er es nicht ertragen kann, mich so lange nicht zu sehen, nicht einfach mal einem Wochenende mit mir Auszugehen. Es war das Ende unserer Beziehung und ich am Boden zerstört. Mit einem gebrochenen Herzen fuhr ich Mitte Jänner zurück nach Österreich. In den Semesterferien im Februar kam mein Ex-Freund dann zum Snowboarden trotzdem zu Besuch - ich hatte es ihm versprochen und mich schon lange ausgeheult. Es sollte eine Woche freundschaftlicher Aktivitäten werden, die wir beide genossen. Und obwohl ich mich ganz neutral gab, merkte ich doch, dass er sich mehr und mehr sprichwörtlich zu mir hingezogen fühlte und meine Nähe suchte. Bevor er wieder nach Hause fuhr versuchten wir es erneut miteinander. Nur um dann 3 Monate später unsere Beziehung endgültig zu beenden. Es war nicht so, dass wir jemals gestritten hätten. Ganz im Gegenteil. Doch irgendwie waren zwischen den Besuchen unsere Gefühle sprichwörtlich auf der Strecke geblieben. Trotzdem verbrachte ich Ende Juli mit seinen Eltern, seiner Schwester und ihm eine Woche in der Schweiz. Ein Familienurlaub zu dem sie mich Weihnachten eingeladen hatten und der einfach wunderbar war. Es gelang uns doch tatsächlich Freunde zu bleiben. Wie erleichternd das für mich war, dass zwar eine Beziehung nicht funktionierte aber eine Freundschaft umso besser. Am Ende des Semester beschloss ich auch das Studium sausen zu lassen. Es war definitiv super, weil es so viele verschiedenen und interessante Fächer gab, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen mein Leben lang hinter einem Computer am Schreibtisch zu sitzen. Ich machte verschiedene Tests und ging zur Studienberatung und überall kam heraus, dass ich etwas soziales machen sollte, am besten mit Kindern. Doch ich und Kinder? Eine Lehrerin wie meine Mutter? Niemals wollte ich so werden wie sie und habe deshalb den Lehrberuf immer ausgeschlossen. Doch langsam merkte ich, dass ich mir da eventuell eine Chance versperrte, ohne sie wirklich zu überdenken. Und dann hörte ich von einer Freundin, die nun Sonderschullehramt studierte. Nach eingehenden Gesprächen mit ihr und meiner Oma war meine Entscheidung gefallen. Doch der Test war erst wieder im nächsten Frühjahr... Was tun? Arbeiten! Im Sommer war ich wieder bei meinen Eltern und es war wie immer: Streitereien, Heucheleien und ich mitten drin. Zum Glück fuhr ich in diesem Sommer ein zweites Mal ins Ausland, nach Dänemark. Das war auch gut so, denn mein Psychiater meinte, ich solle doch mal langsam probieren, die Medikamente auszuspülen. Die Antidepressiva absetzen? War ich schon so weit? Oder war es doch zu früh und es würde mich wieder zurückwerfen? Ich war in dieser Zeit sehr hibbelig, fast hyperaktiv, redete 3x zu schnell und am laufenden Band. Ich wusste nicht, was auf mich zukam, doch hatte ich schon Vertrauen in mich selber gefasst. In dieser Zeit lernte ich Simon kennen, einen Engländer, der seit dem Frühling in meinem Ort als Greenkeeper arbeitete. Ein echt lieber Kerl, sympatisch mit Humor und Hirn und auch ganz fesch. Irgendwann begann ich ab und zu bei ihm zu übernachten, um nicht im selben Haus, wie meine Eltern zu sein. Doch es passierte nichts weiteres, natürlich versuchte er es mal, doch als ich ihm erklärte, dass ich keine Beziehung wollte, und schon gar nicht noch eine Fernbeziehung noch weiter weg, fanden wir eine gute Lösung. Natürlich passierte es dann doch mal, und nochmal und, naja, es war ein schöner Sommer mit ihm. Aber von Anfang an unverbindlich. Keine Verpflichtungen, nur lustige Stunden zusammen bei Gesprächen über unterschiedliche Kulturen, Sport und auch ernsteren Themen. Sein Großvater starb in dieser Zeit und einmal war er in einen schweren Autounfall involviert, bei dem er nicht wirklich schwer verletzt wurde. Doch ich merkte, dass ich eine gute Freundin für ihn wurde, denn er rief mich beide Male an und bat mich vorbei zu kommen. Für mich war er ein liebenswerter Mann, der mich in den Arm nahm, wenn ich es brauchte und mir eine Zuflucht vor meinen Eltern bot. Und er war genau das, was ich damals brauchte. Schon wieder ein Mann, als ich gar keinen wollte. Und schon wieder einer, der mir mehr gab, mich mehr unterstützte, als er es selber jemals bemerken würde. Eine weitere glückliche Fügung in meinem Leben, die mir wieder mehr Selbstvertrauen und Zuversicht vermittelte. Und dann, Anfang September verkündete meine vermaledeite Mutter bei einem Essen mit meiner Schwester, ihrem Mann und Sohn und der besten Freundin meiner Eltern, dass sie die Scheidung wolle...
8.4.14 21:55


Der letzte Tag bei meinen Eltern während meinem ersten Besuch nach 3 Wochen.

Resümee: 
Mir gehts beschissen...mein Vater versucht wie üblich alle Anzeichen zu übersehen und für alle der liebe zu sein - jedem das sagen, was er gerade hören will. Nur wirklich Stellung bezieht er nicht, und das ist es, was ihn krank macht und weswegen er nicht gesund wird.
Besteht denn meine Familie nur aus Heuchlern? 
Hunger hatte ich schon seit Tagen nicht mehr wirklich und wie üblich ist es bei meinen Eltern nur zu leicht Mahlzeiten ausfallen zu lassen, da jeder mit sich selber beschäftigt ist.
Und ich fühle mich von tag zu Tag schlechter, antriebslos und leer...

Ich will das nicht mehr, ich komme mir so verkorkst vor und das hasse ich.

Aber es gibt auch noch gute Dinge. gestern Abend konnte ich unerwarteter Weise etwas mit meinem Freund skypen. Das hilft mir immer, aber ich hasse es auch, wenn ich andere Leute mit meinen Problemen belaste. Nur möchte ich ehrlich zu ihm sein. Er ist so toll, immer für mich da und nach einem Gespräch mit ihm, fühle ich mich um einiges besser.
Nur löst das meine Probleme auch nicht!

Ich muss mich schleunigst ändern. Dass ich meine Eltern nicht ändern kann ist klar, also muss ich an mir arbeiten, damit ich endlich wieder den Kopf für das frei habe, was mich weiterbringt.
Es ist nur richtig schwer, jetzt da ich wieder in alte Muster zurückfalle...ich habe Angst, dass das nie aufhören wird und ich irgendwann nicht mehr die Kraft habe alles immer wieder aufs Neue hinter mir zu lassen. Es kostet mich schon jetzt viel Kraft und ich weiß nicht, wie oft ich das noch schaffe. Mittlerweile hasse ich mein Leben wirklich, es wäre so viel einfacher, wenn es mich nicht gäbe...

17.10.11 13:41


Die letzten Wochen waren hart und sehr unterschiedlich...

Nachdem ich den Sommer über 2 Monate bei meinen Eltern gewohnt habe (aber sehr wenig daheim war) ging es mir gegen Ende dieser Zeit wieder schlechter. 
Ich verbrachte wieder mehr Zeit mit meiner Mutter und hörte wieder zu essen auf. Erstaunlich, wie einfach das ging und wie wenig mein Vater davon bemerkte.
Wenn ich etwas aß, dann nur sehr kleine Portionen und extrem langsam. Ich glaube mittlerweile, dass die Gesellschaft meiner Mutter mich krank macht. Ich halte ihr falsches, heuchlerisches Verhalten einfach nicht aus. Soetwas ertage ich nicht lange.
Ende September kam ich wieder zurück nach Linz, zu meiner Oma. Sie sah sofort, dass es mir wieder schlechter ging. Aber diesmal sprach ich es sofort an. 
Das ist eines der Dinge, die ich gelernt habe, dass ich nicht alles in mich hineinfressen muss und mich bestimmten Personen anvertrauen kann. Auch wenn es mir noch immer schwer fällt, mache ich es trotzdem. Übung macht schließlich den Meister! 

Mit dem Essen gehts auch langsam bergauf. Aber irgendwie macht mir diese ganze Situation wieder so sehr zu schaffen. 
Ich fühle mich wieder oft allein gelassen und bin oft den Tränen nahe. Auch überlege ich schon wieder, wie es wäre, wenn ich weniger Essen würde und wie ich Mahlzeiten am Besten auslassen kann.
Nur kenne ich diesmal die Vorzeichen!

Aber es beunruhigt mich trotzdem - werde ich das alles niemals hinter mir lassen können? Muss ich immer wieder gegen all das ankämpfen, mich selbst überwinden? Ich will das nicht mehr, es hat mich so viel Kraft gekostet, wie soll ich das nur immer wieder schaffen? Auch will ich nicht meinen Freund beunruhigen, er hat schließlich alle Hände voll zu tun mit seinem Studium. 

Morgen werde ich das erste Mal seit 3 Wochen wieder zu meinen Eltern fahren. Vielleicht ist es die Gewissheit, dass ich dorthin zurückkehre,die mich so durcheinanderbringt. Vielleicht ist es die Angst vor dem Möglichen, die mich wieder in alte Muster zurückfallen lässt. Ich kann doch nur meine Eltern nicht auf Ewig meiden, wie soll das nur weitergehen?

14.10.11 14:38


Der Beginn

Hier möchte ich erzählen, was ich die letzten Monate erlebt habe.

Ich hoffe, ihr versteht, wie wichtig mir das ist.

 

Wo soll ich nur beginnen?

Bei meiner super-glücklichen Kindheit, meinen vielen besten Freunden, unserer harmonischen Familie oder kurz gesagt: bei dem Leben, das ich so nie hatte.

Um zu relativieren: ja, ich glaube, meine Kindheit war größtenteils glücklich. Nur hat dieser böse Zeitpunkt, wo man beginnt sich selber Gedanken zu machen und nicht mehr alles einfach hinnimmt alles verändert.

Ich glaube, das begann, als ich so in etwa 13 war.

Zu dieser Zeit machte meine Mutter gerade eine Weiterbildung, um, wie sie es sagte "mehr Geld für die Familie zu haben". Warum sie es tatsächlich machte, kann ich nur vermuten: um ihr Selbstwertgefühl aufzupeppen, "etwas darzustellen",allen zu beweisen, wie toll sie solche schwierigen Aufgaben lösen kann.
Nun ja, es war in gewisser Weise der Anfang vom Ende für mich. Bis dahin hatte ich immer eine gute Beziehung zu meiner Mutter, war das "Mama-Kind" und fühlte mich ganz wohl in dieser Rolle. Aber ab da war sie viel unterwegs, da sie berufsbegleitend studierte und ihr Ehrgeiz sie dazu trieb, stundenlang am Abend noch alle Beispiele zu rechnen, bis sie den richtigen Lösungsweg hatte. Nur um damit am nächsten Wochenende bei den Professoren anzugeben. Sie war Klassensprecherin und mit ein paar ihrer Lehrer richtig gut befreundet. Und am Ende bekam sie ihr Diplom mit einem Notenschnitt von 1,2.
Eine tolle Leistung, oder? Sicher, aber die Schattenseiten waren, dass sie ihre Familie komplett vernachlässigte. Nun musste mein Vater die Rolle von beiden Elternetielen übernehmen, für meine Schwester und mich da sein, kochen, putzen, uns zu Musikschule/Sport/Freunden fahren, natürlich arbeiten und auch meiner Mutter beim Lernen helfen.
Ich glaube, das war zu viel für ihn. Ich weiß von mindestens 1x in dieser Zeit, dass er Burnout hatte, vermute jedoch, dass er es nie wirklich loswurde.
Für mich war diese Zeit schwer, aber ich habe es mir nicht anmerken lassen. Ich wollte das brave Kind sein, dass keine Schwierigkeiten macht und alles alleine kann. Klar war es super, dass ich sehr früh selbstständig wurde aber der Preis dafür war, dass ich meine Gefühle weggesperrt habe.
Irgendwie war ich immer anders, als all die anderen Kinder, habe nie wirklich dazugepasst, aber war doch auch so angepasst, dass es nicht wirklich auffiel. Zu jener Zeit aber begann das Mobbing in der Schule. Es waren echt 3 harte Jahre und ich weiß nicht, wie ich das überstanden habe. Die Mädchen in meiner Klasse haben mich ausgegrenzt und zum Spottobjekt für alle gemacht. Auch meine Noten waren in gewissen Fächern alles andere als gut, doch auch das habe ich alleine geregelt.
In der Oberstufe wurde es dann besser und ich habe langsam mein "graue-Maus-Immage" abgelegt. Aber trotzdem hat sich etwas in mir verändert.
Seitdem habe ich einfach Probleme, Hilfe von anderen anzunehmen. Ich glaube immer alles alleine schaffen zu müssen, will keine Last für andere sein und bin gleichzeitig sehr hilfsbereit.

Dass meine Familie kaputt ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen.

14.10.11 13:09


Zwischendurch

Irgendwie rückten diese Probleme danach in den Hintergrund und ich glaube, dass ich in den Jahren in der Oberstufe wirklich glücklich war.

Als ich gerade Matura hatte, bekam meine Schwester ein Kind - mit gerade mal 20!
Naja, dachten wir uns, mal schaun. 
Mein Neffe ist seitdem ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Obwohl ich Babies und Kleinkinder überhaupt nicht mag, liebe ich ihn. Ich glaube sogar, dass wir seelenverwandt sind. Und meine Schwester macht ihre Sache überraschender Weise wirklich gut. Auch meinen Schwager mag ich recht gern und ich bin froh, dass meine Schwester nun eine Familie gefunden hat, in der sie sich wohl fühlt.

Doch meine Probleme begannen da erst. Ich habe meine Matura nicht gleich geschafft. Fertig war ich erst ein 3/4 Jahr später, nach dem 3. Anlauf. Ich war mir nie sicher, was ich danach machen sollte, habe mit Medizin geliebäugelt und mehr aus Spaß auch den Aufnahmetest gemacht.
Ich war im guten Mittelfeld aber gereicht hat es natürlich nicht. War auch nicht so schlimm.
Als Überbrückung habe ich ein Praktikum im Krankenhaus gemacht, das mir sehr gut gefallen hat. Diese 9 Monate waren super und seitdem weiß ich auch, dass ich keine gute Ärztin geworden wäre. Denn ich nehme mir das Schicksal anderer viel zu sehr zu Herzen - letzten Endes hat mich das aber schon jetzt eingeholt.
In dieser Zeit musste ich mich dann mit meiner Zukunft auseinandersetzten und mein Vater fand eine Anzeige in der Zeitung - über die Fachhochschule in Linz. Daraufhin habe ich mich darüber informiert und fand das Studium sehr spannend und vielversprechend. Also hab ich es probiert und wurde angenommen.

Endlich mal ein Erfolg!
Doch der letzte Sommer "daheim" war schrecklich. Meine Eltern haben nur noch gestritten und bei meinem Vater wurde im Juni Burnout und Depression diagnostiziert. Er hatte zu dieser Zeit Probleme in der Arbeit, da er als Betriebsrat einem gewissen "Aufräumer", der von der Zentrale geschickt wurde ein paar mal blöd auf die Zehen getreten war. Selbiger "Aufräumer" wollte sich dann meines Vaters entledigen, indem er eine Intrige startete die unter Anderem eine Mitarbeiterin beinhaltete, die behauptete, mein Vater hätte sie gestalkt. Nett, was? Auf jeden Fall wurde er gekündigt, hat aber rechtliche Schritte eingeleitet. Ein Urteil gibt es nach fast 1,5 Jahren noch immer nicht...
Jedenfalls konnte ich den Zeitpunkt, endlich von meinen ELtern wegzukommen gar nicht mehr abwarten. Es war ein tolles Gefühl, bei meiner Oma zu wohnen. Sie kümmert sich seitdem mehr um mich, als es meine Mutter je gemacht hat. Und dafür bin ich ihr soooo dankbar.

Ich begann also mein Studium und da es kein Vollzeitstudium, sondern berufsbegleitend ist, habe ich mir auch eine Arbeit gesucht. 25 Stunden die Woche als Sekretärin. Eine winzige Firma, ein lieber aber schwieriger Chef und im Endeffekt 30 bis 35 Stunden pro Woche.
FH habe ich Mittwochs, Freitags und Samstags, gearbeitet habe ich Montags, Dienstags und Donnerstags. Zu Beginn bin ich noch fast jede Woche am Samstag-Nachmittag zu meinen Eltern gefahren und am Sonntag-Abend wieder zurück nach Linz.
Doch das war nicht so toll, ich merkte es immer, wenn meine Eltern die Woche über Streit gehabt hatten und ich ertrug es einfach nicht, mich so abzuhetzen, um dann einen Tag lang dicke Luft zu ertragen.

Aber ich machte meinem Vater zuliebe weiter, weil er sich immer so sehr freute, wenn ich dann doch endlich kam.

14.10.11 13:29


Das Ende

Weil ich den Stress immer weniger wegsteckte, wurden die Abstände zwischen den Besuchen bei meinen Eltern immer größer.
Irgendwann bemerkte ich, dass ich oft 1-2 Wochen lang danach noch schlecht drauf war - und das für 2-3 "gute Tage" für meinen Vater... ein schlechter Deal.

Ab Dezember 2010 gings dann richtig bergab:
Meine Konzentration wurde immer schlechter und mein Appetit war quasi weg. Auch war meine Stimmung immer mehr im Eimer, doch ich gab mir Mühe, mein "Sonnenschein-Gemüt" vor anderen weiterhin aufrecht zu erhalten. Ich spielte die Rolle meines Lebens - das gute Kind, das alles alleine schafft und keinem zur Last fällt. Wow, ging das schief!
Im Jänner hatten wir dann noch 6 Klausuren für die ich so viel gelernt habe wie selten zuvor und doch kaum Erfolg dabei hatte. Was war nur mit mir los? Meinen Geburtstag Ende Jänner hätte ich am liebsten ausfallen lassen. Und dann wollten noch meine Freunde von der Schule, dass ich eine kleine Feier mache, wie üblich halt.

Nur dazu hatte ich echt keine Kraft mehr.

Denn mittlerweile verkehrte ich in "Soft-Ana"-Foren und versuchte so wenig es nur ging zu essen. Meiner Oma sagte ich, ich hätte so viel zu Mittag in der Arbeit gegessen, dass ich Abens keinen Hunger mehr hatte. Und das Frühstück war sowieso nie meine Mahlzeit gewesen, darum viel es nicht sonderlich auf, wenn ich ohne einen Bissen aus dem Haus ging.
Oft schaffte ich es, in 2 Tagen nur einmal etwas zu essen und irgendwann blieb das richtige Hungergefühl einfach aus. Stattdessen breitete sich eine angenehme Taubheit in meinem Körper aus und ich freute mich auf das Schwindelgefühl, wenn ich zu schnell aufstand und mir schwaz vor Augen wurde. Ohnmächtig wurde ich nie und darauf war ich sogar stolz.

5 Fächer hatte ich nach dem ersten Semester negativ abgeschlossen und obwohl ich eines dann bei der Nachklausur bestand ging ich trotzdem zur Studiengangsleitung. Ich wusste nicht mehr weiter, alles wurde mir zu viel, ich war immerzu müde und weinte ständig ohne jeden Grund. Die folgende  Karenzierung war kein Problem und war eine echte Erleichterung.
Ein Jahr lang Zeit, wieder "normal" zu werden. Eine Woche später schleppte mich meine Großtante zu ihrem Psychiater, denn mittlerweile machten sie und ihre Schwester (meine Oma) sich schon richtig Sorgen. Ich hatte abgenommen und war immer blasser geworden.
Der Psychiater diagnostizierte Depressionen, gab mir Antidepressiva und die Adresse eines Therapeuten.

Doch damit war die Sache noch nicht zu Ende. Seit etwa Ende Jänner hatte ich begonnen, mich selber zu kratzen. Immer auf derselben Stelle und immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass mir alles zu viel wurde. Ich krazte solange, bis ich blutete und oft noch weiter. 
Es tat nicht weh, ganz im Gegenteil. Wenn meine Nägel blutig waren breitete sich ein Gefühl der Zufriedenheit in mir aus. Bevor ich zum Psychiater ging kratze ich mich fast täglich wieder auf. Die Stelle ist rechts unter meiner Schulter und ich konnte sie immer gut unter Kleidung verstecken.
Heute habe ich dort eine Narbe, etwa so groß wie der kleine Fingernagel. Ich glaube nicht, dass sie jemals weggehen wird, und irgendwie will ich das auch gar nicht.

Langsam begann ich wieder etwas mehr zu essen, meine Oma kümmerte sich wirklich lieb um mich. Mitte April führ ich dann mal wieder zu meinen Eltern, da ich mit meiner Mutter über die Finanzen reden musste. Meinen Therapeuten muss ich mir nämlich selber zahlen (er ist ein privater, also übernimmt die Krankenkasse nur einen sehr geringen Teil der Kosten) und bis auf 200 Euro Familienbeihilfe bekomme ich nichts von ihr. Ich wollte nicht, dass meine Oma und ihre Schwester für alles aufkommen müssen, wo sie mich eh schon so viel unterstützen.
An dem Sonntag kam mein Vater erst spät von einer Woche Segeln in Kroatien heim. Ich wollte die Zeit nutzen und mit ihr über alles vernünftig reden.
Doch es kam schon nach dem Mittagessen zu einem Streit, der so heftig war, dass ich das erste Mal seit Wochen wieder begann mich zu kratzen. Die restliche Zeit, bis mein Vater daheim war, verbrachte ich bei einer Freundin, die versuchte, mich zu beruhigen.
Als es Abend war und mein Vater wieder daheim, ging auch ich zurück. Doch es kam zu keinem Gespräch. Stattdessen schrie mich mein Vater an, überhäufte mich mit Vorwürfen und ließ mich nicht einmal richtig zu Wort kommen.
Ich packte meine Sachen und lief aus dem Haus. Ich war am Ende und wollte nur weg. Ich hatte keine Ahnung, wie ich wieder nach Linz kommen sollte aber ich musste raus aus diesem Haus.
Also lief ich zum See, legte mich auf eine Bank und weinte. Wie lange weiß ich nicht, aber bestimmt 2 Stunden lang. Irgendwann rief mich meine Freundin an, um sich zu erkundigen, wie das Gespräch mit meinen Eltern war. Ich konnte kaum noch sprechen und wusste weder aus noch ein. Sie versuchte mich wieder zu beruhigen und fragte, wo ich sei, redete ständig auf mich ein. Ich weiß nicht mehr genau, was ich sagte, aber es musste schlimm gewesen sein. Denn auf einmal tauchte ihr Freund auf und brachte mich in ihre Wohnung. Zuerst wollte ich nicht aufstehen, doch er drohte mir an, mich zum Auto zu tragen. Er schob mich dann mehr bis zum Auto, als dass ich selber ging. Als wir vor der Wohnungstür waren rief meine Schwester an, aber der Freund meiner Freundin hatte mir mein Handy abgenommen und meinte, er rufe sie später zurück.
Als ich in der Wohnung war setzte ich mich neben meine Freundin auf die Bank. Ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen und starrte nur auf den Boden. Sie meinte, ich wäre eiskalt, aber ich fühlte nichts und konnte nichts mehr sagen. Auf einmal meinte sie, ich solle doch wieder richtig atmen. Zuerst verstand ich nicht, was sie meinte. Dann bemerkte ich, dass ich hyperventilierte. Ich machte weiter und weiter. Meine Freundin wurde schon ganz panisch vor Angst und legte mich auf die Bank. Meine Arme und Beine waren ganz steif geworden und meine Augen konnte ich auch nicht mehr öffnen. Ich hörte, wie sie zu weinen begann und mich anflehte damit aufzuhören. Meine Hände waren ganz blau geworden und auch als sie mir ein Sackerl vor den Mund hielt, wurde es nicht besser.

Sie riefen die Rettung, ihr Vermiter trug mich nach unten in den Rettungswagen. Da war meine Schwester dann schon da und fuhr mit. Und ich hyperventilierte noch immer. 2x hielt ich solange die Luft an, dass ich sogar schon ganz blau im Gesicht wurde. Es war sooooo einfach, nicht zu atmen, ich wollte endlich ohnmächtig werden und nichts mehr hören oder fühlen müssen. Ich hatte mir wieder eine große Stelle am linken Zeigefinger aufgekrazt doch ich spürte es nicht. Auch halfen das Zwicken der Sanitäterin und meiner Schwester gar nichts.
Meine Schwester versuchte mich zu beruhigen, redete von meinem Neffen und machte es damit nur schlimmer. Langsam wurde das Hyperventilieren krampfhaft und ich fühlte nur noch Leid. Am Weg ins Krankenhaus gab mir der diensthabende Nachtartz Valium - doch das brachte gar nichts. Eigentlich hätte ich nach ein paar Minuten schlafen müssen...
Im Krankenhaus hörte es dann irgendwann auf. In der Notaufnahme versuchte ein Arzt mit Zwicken, auf das Knie hauen, die Fußsohlen kitzeln und mit den Handknöckeln zwischen den Brüsten über die Rippen rubbeln eine Reaktion von mir zu erzielen. Es half nichts. Dieses Rippen-rubbeln tat aber wirklich weh, nur halt nicht so sehr, dass ich desswegen die Augen geöffnet hätte. Er vermutete, dass ich Alkohol oder Drogen genommen hätte, weil ich so neben der Spur stand. Aber es war reine Willenskraft, dass ich keine Reaktion zeigte. Als er das zweite mal dieses Rippen-rubbeln machte, tat er es so fest, dass ich doch die Augen öffnete. Mir tat das Atmen dort dann die nächste Woche noch weh.
Ich konnte noch immer nicht sprechen doch ich schaffte es mit kleinen Kopfbewegungen zumindest etwas Auskunft zu geben. Schließlich brachten sie mich auf die psychiatrische Station, wo ich die Nacht verbrachte.

Da ich aber zu dieser Zeit schon in Linz gemeldet war, war dieses Krankenhaus nicht für mich zuständig und meine Schwester brachte mich am nächsten Tag nach Linz. 
In der Nacht hatte ich mich soweit erholt, dass ich zumindest wieder sprechen konnte, aber was ich jetzt machen sollte wusste ich nicht. Ich wollte mich am liebsten irgendwo verkriechen und alleine sein. Meine Schwester und meine Oma überredeten mich dann, in Linz ins WJ zu gehen. Das ist eine der besten Nervenheilanstalten in Österreich.

Nach meinem Nervenzusammenbruch und der Panikattacke blieb ich 3 Wochen lang dort.
Ich hatte meine Arbeit gekündigt und war 4 Moante lang in Krankenstand. Langsam ging es mir besser, doch meine Eltern "besuchten" mich nur 2x. Ich habe viele liebe Leute in der Zeit kennen gelernt und über vieles nachgedacht.
Während andere in meinem Alter sich Sorgen machen, ob sie denn noch genügend Geld fürs Fortgehen am Wochenende haben, musste ich mir überlegen, wie mein Leben weitergehen sollte.
Das war eine harte Zeit, vorallem als ich dann wieder aus dem Krankenhaus heraussen war.

Doch ich habe Fortschritte gemacht. Ich weiß jetzt, dass ich mein Studium beenden will und bin seit September wieder inoffiziell im erstem Semester. Seit August habe ich auch einen Freund, etwas, das ich eigentlich gar nicht wollte. Schließlich muss ich erst mal mein eigenes Leben wieder auf die Reihe bekommen, bevor ich Zeit für jemand anderen haben kann. Doch er kommt aus den Niederlanden, insofern passt es so ganz gut. Wir werden uns erst wieder Weihnachten sehen aber wir skypen oft und schreiben uns viel.
Er weiß alles und ich bin so glücklich, dass ich ihn habe. Noch nie habe ich mich bei einem Menschen von Anfang an so wohl und geborgen gefühlt. Bei ihm habe ich keine Probleme damit, wenn es um Umarmen geht. Eigentlich habe ich mit allem gefühlsduseligen so meine Schwierigkeiten, lasse mich eigentlich nur passiv umarmen und das auch nur ungern. Ich bin auch eine echte Zynikerin und ich glaube, dass das meine Maske ist, um meine wirklichen Gefühle zu verstecken.
Jetzt geht es darum, wieder zurück auf einen Weg zu finden, der mich weiterbringt, der mir hilft, diese ganzen Erfahrungen zu etwas zu nutzen, das mir eine Zukunft ermöglicht. Es ist nicht leicht und das ist auch der Grund für diesen Blog.
Ich möchte mir alles von der Seele schreiben, meine Ängste und Hoffnungen...

14.10.11 14:24





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung